Experimentelle Wirtschaftsforschung
Die Experimentelle Wirtschaftsforschung stellt sowohl im Bereich der Forschung als auch der Lehre einen Schwerpunkt der Arbeit unserer Abteilung dar. In ökonomischen Experimenten untersuchen wir, wie Menschen tatsächlich Entscheidungen treffen und welche Rolle dabei etwa Fairness, Risiko, soziale Identitäten oder soziale Normen spielen.
Was ist experimentelle Wirtschaftsforschung?
- Wir beobachten reale Entscheidungen von Personen in ökonomischen Entscheidungssituationen.
- Die Situationen beruhen auf klar definierten ökonomischen und spieltheoretischen Modellen.
- So können wir Theorien überprüfen, weiterentwickeln und neue Verhaltensmuster identifizieren.
Wie führen wir Experimente durch?
Unsere Experimente finden unter kontrollierten Bedingungen statt, sodass wir kausale Zusammenhänge (Ursache → Wirkung) möglichst sauber identifizieren können.
Laborexperimente (in Präsenz oder online)
- Teilnehmende treffen Entscheidungen an Computern.
- Je nach Fragestellung mit oder ohne Interaktion in Gruppen oder mit anonymen Partnerinnen und Partnern.
Survey‑ und Vignettenexperimente
- Standardisierte Online‑Umfragen.
- Vignettenexperimente mit kurzen, systematisch variierten Szenarien, zu denen Teilnehmende Stellung nehmen.
Feldexperimente
- Experimente in realen Entscheidungssituationen außerhalb des Labors.
In den Experimenten setzen wir monetäre Anreize ein: Die Teilnehmenden erhalten eine Auszahlung, die auch von ihren Entscheidungen abhängt. So lassen sich tatsächliche Präferenzen besser erfassen als in rein hypothetischen Befragungen.
Als Mitglied des Wissenschaftsraums Verhaltensökonomik und Gesellschaftliche Transformation führen wir u.a. Experimente im Niedersachsenpanel durch, welches einen quasi-repräsentativen Pool an Versuchspersonen im Land Niedersachsen bereitstellt. Damit können differenzierte Zusammenhänge über die Einstellungen und Präferenzen der niedersächsischen Bevölkerung identifiziert werden.
Themenfelder
Unsere Experimente befassen sich unter anderem mit:
- Fairness und Sozialen Präferenzen
- Umverteilungspräferenzen und Einstellungen zu staatlicher Umverteilung
- Ingroup‑/Outgroup‑Bias und Diskriminierung
- Circular Economy
- Markt‑ und Umweltverhalten
- Entscheidungen unter Risiko
Darüber hinaus untersuchen wir zahlreiche weitere aktuelle Fragestellungen der Verhaltens‑ und Experimentalökonomik sowie Schnittfeldern mit anderen Disziplinen. Beispielsweise wird in der Abteilung erforscht, ob Menschen eine Abneigung gegenüber der Exklusion Dritter haben. Zudem werden Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Erstarken des Rechtspopulismus untersucht.
Beispiel: Das Diktatorspiel
Ein klassisches Experiment zur Messung von Fairness und Ungleichheitsaversion ist das Diktatorspiel.
- Situation: Einer Person (der „Diktatorin“ bzw. dem „Diktator“) werden z. B. 10 Euro zugeteilt. Eine zweite, anonyme Person erhält nichts.
- Entscheidung: Die erste Person entscheidet, wie viel der 10 Euro sie an die andere Person abgibt und wie viel sie selbst behält.
- Zweck: Unter rein eigennützigen Annahmen würde die erste Person alles behalten. In der Praxis geben viele Personen jedoch einen Teil (im Schnitt ca. 20%) ab – ein Hinweis auf Fairness‑ und Verteilungspräferenzen.